Die Insolvenzwelle rollt weiter – so können Unternehmen ihre Zukunft sichern

2025 war für viele Unternehmen in Deutschland ein Jahr der Anspannung. Monat für Monat stiegen die Insolvenzzahlen, immer neue Höchststände wurden erreicht. Und die Welle ist noch nicht gebrochen: Für 2026 rechnen Marktbeobachter mit einer weiteren Zunahme der Unternehmensinsolvenzen. Woher kommt dieser Trend und wie können Betriebe darauf reagieren?

Die Wirtschaftsauskunft Creditreform beziffert die Zahl der Unternehmensinsolvenzen 2025 auf 23.900 Fälle; ein Plus von 8,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Besonders betroffen sind Kleinstunternehmen, die rund 82 Prozent aller Verfahren ausmachen. Doch zunehmend geraten auch größere Mittelständler und Großunternehmen unter Druck: Laut einer Insolvenzanalyse der Transformationsberatung Falkensteg mussten im letzten Jahr 471 Unternehmen mit mehr als zehn Millionen Euro Jahresumsatz Insolvenz anmelden; rund 25 Prozent mehr als im Vorjahr.

Eine gefährliche Gemengelage

Die Gründe für die steigenden Insolvenzen sind vielfältig und verstärken sich gegenseitig:

  • Hohe Verschuldung
  • Konsumzurückhaltung
  • Erschwerter Kreditzugang
  • Hohe Rohstoff- und Energiepreise
  • Bürokratie, regulatorische Belastungen
  • Billigimporte und verschärfter globaler Wettbewerb
  • Handelskonflikte, hohe Zölle, geopolitische Unsicherheiten
  • Tiefgreifende strukturelle Veränderungen ganzer Branchen

Für viele Unternehmen entsteht daraus eine kritische Kombination: hohe Kosten, schwache Nachfrage, knappe Finanzierungsspielräume und gleichzeitiger Transformationsdruck.

Ausblick 2026: die Dynamik hält an

Eine schnelle Entspannung der Lage ist nicht in Sicht. Der Kreditversicherer Atradius etwa rechnet für 2026 mit bis zu 30.000 Unternehmensinsolvenzen. Dabei zeichnet sich eine neue Qualität der Krise ab:

  • Systemrelevante Unternehmen geraten in Schieflage: Zunehmend trifft es wirtschaftlich bedeutende Unternehmen mit hoher regionaler Wertschöpfung.
  • Investorensuche wird schwieriger: Hohe Standortkosten, Regulierung und Unsicherheit schmälern die Attraktivität Deutscher Firmen für Kapitalgeber.
  • Kettenreaktionen in der Realwirtschaft: Fällt ein größeres Unternehmen aus, geraten ganze Wertschöpfungsketten unter Druck.
  • Anhaltende Finanzierungsklemme: Hohe Verschuldung trifft auf zurückhaltende Banken. Kredite bleiben schwer zugänglich, Restrukturierungen verzögern sich.

Politische Investitionsprogramme könnten 2026 Impulse setzen. Doch ohne konkrete strukturelle Entlastungen bei Energiepreisen, Steuern und Bürokratie bleibt der Standort mit großer Wahrscheinlichkeit unter hohem Druck.

Das können Unternehmen selbst tun

Viele Krisen kündigen sich lange vorher an. Wer intern früh gegensteuert, kann Handlungsspielräume sichern und eine eigene Insolvenz oft vermeiden oder zumindest die Neuaufstellung kontrolliert gestalten.

Konkrete Ansatzpunkte:

Transparenz schaffen: Fehlende kaufmännische Steuerung und eine unklare Liquiditätslage verschärfen Krisen unnötig. Frühwarnsysteme, saubere Buchhaltung und laufende Finanzplanung schaffen Möglichkeiten zum Gegensteuern.

Alternative Finanzierungen nutzen: Bankkredite sind nicht die einzige Option. Methoden wie Factoring, Einkaufsfinanzierung oder Sale-and-Lease-Back eröffnen Spielräume.

Risiken aktiv managen: Zahlungsverhalten von Kunden überwachen, Warenkreditversicherungen nutzen, Eigentumsvorbehalte und AGB wirksam gestalten.

Kooperationen prüfen: Zusammenschlüsse von Firmen oder strategische Partnerschaften können Skaleneffekte und Stabilität schaffen.

Frühzeitig Experten einbinden: Rechtliche und betriebswirtschaftliche Beratung in der Frühphase kann die Handlungsspielräume erheblich erhöhen.

Und wenn es trotzdem zur Insolvenz kommt? Eine Insolvenz ist nicht zwangsläufig das Ende. Richtig genutzt, kann sie zum Neustart werden. Entscheidend ist, vorbereitet zu sein und das Verfahren aktiv zu gestalten.

 

Sie haben Fragen zum Thema oder benötigen die Unterstützung im konkreten Krisenfall? Wenden Sie sich an unseren Experten Simon Leopold.

 

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