Hemmt fehlende Finanzierung die Gründerszene?

Aktuelle Studien zeigen, dass Themen wie Finanzierung und Liquidität bei vielen Startups weiter für Herausforderungen sorgen. Objektbasierte Ansätze wie Asset Based Credit bieten hier Lösungen.

Die Finanzierungssituation für Startups bleibt in Deutschland weiter angespannt. Die Unterversorgung des Marktes hat unter dem Eindruck der Corona-Pandemie sogar weiter zugenommen. Das zeigt auch das aktuelle Start-up-Barometer der Beratungsgesellschaft Ernst & Young. Der Studie zufolge sank das Finanzierungsvolumen in 2020 hierzulande um 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dabei gibt es keinen allgemeinen europäischen Abwärtstrend. Im Gegenteil: In anderen Ländern legte die Start-up-Förderung sogar massiv zu. In Großbritannien etwa – hier hatten sich die Finanzierungsrunden mehr als verdoppelt. Das Finanzierungsvolumen stieg dabei um ein Viertel auf 13,9 Milliarden Euro.

Markt weiter unterversorgt

Dass die Finanzierung für den deutschen Unternehmensnachwuchs eines der zentralen und zugleich problematischsten Themen ist, zeigt auch der Startup Monitor 2020 – eine gemeinsame Erhebung des Bundesverbands Deutscher Startups, von PwC und der Universität Duisburg-Essen. Der Zugriff auf externes Kapital zeigt sich hiernach als eine schwierige Aufgabe für viele Startups. Wunsch und Wirklichkeit klafften dabei sehr häufig auseinander: Fast die Hälfte der Befragten hoffe auf Finanzspritzen – etwa von Business Angels oder Venture-Capital-Gesellschaften. Doch in der Realität kommen nur 19 Prozent der Startups an Mittel solcher Wagniskapitalgeber. Tatsächlich finanziert sich ein Großteil – 78 Prozent – auch über die eigenen Ersparnisse und 26 Prozent stützen sich zudem auf Familie und Freunde. Da verwundert es kaum, dass 43 Prozent der Befragten die Kapitalbeschaffung als eine ihrer größten Herausforderungen ansehen. 32 Prozent geben die Themen Cashflow und Liquidität als zentrale Hürden an – dies waren im Vorjahr lediglich 18 Prozent.

In der Gründerszene hat auch die Pandemie teils tiefe Spuren hinterlassen. So mussten laut Startup Monitor 2020 Mehr als die Hälfte der Jungunternehmen auf staatliche Hilfen wie Kurzarbeitergeld oder Soforthilfen zugreifen. 50 Prozent der Befragten haben zudem notwendige Investitionen verschoben. Ein bedenklicher Zustand, denn gerade nach der Corona-Krise und im Zuge der beschleunigten Digitalisierung sollten Startups ihre Rolle als treibende Innovatoren erfüllen können. Junge Tech-Unternehmen sind essenziell für die künftige Entwicklung des hiesigen Wirtschaftsstandorts.

Wachstum erfordert Fremdkapital

Selbst wenn es ein Jungunternehmen schafft, Investoren mit an Bord zu holen – im Lauf seines weiteren Wachstums wird meist relativ schnell Fremdkapital erforderlich. Denn: Aufträge müssen in immer größerem Stil vorfinanziert werden, neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stoßen hinzu, die Produktivität soll erhöht, das Lager muss ausgebaut werden, der Umzug an einen größeren Standort wird nötig, man muss Prozesse neu strukturieren. Diese operativen Herausforderungen sind oft nur mit fremdem Kapital zu stemmen. Doch typische Finanzierungsoptionen wie Bankkredite stehen den jungen Unternehmen in aller Regel nicht zur Verfügung. Die Firmen arbeiten in vielen Fällen noch nicht profitabel und stellen für die konservativen Ratings der meisten Banken ein kaum kalkulierbares Risiko dar. Daneben dauert es bis zur Auszahlung eines klassischen Darlehens erfahrungsgemäß relativ lang. Startups befinden sich allerdings in einem dynamischen Veränderungsprozess und benötigen entsprechend auch fremdkapitalseitig eine flexible und vor allem schnelle Lösung. Ist bereits ein zentraler Investor mit an Bord, können hier sogenannte objektbasierte Modelle wie Asset Based Credit Abhilfe schaffen.

Umfassende Kreditbesicherung, Bonität zweitrangig

Umfassende Möglichkeiten in der Besicherung sind das wesentliche Unterscheidungskriterium zwischen dem Modell „Asset Based Credit“ und einem üblichen Bankkredit: Hier kann vom Maschinen- und Fuhrpark über Rohstoffe oder Warenlager bis hin zu Sachwerten und Immobilien sämtliches Anlage- oder Umlaufvermögen für die Finanzierung genutzt werden. Auf diese objektbasierten Darlehen können dementsprechend auch junge Unternehmen aus ganz unterschiedlichen Bereichen zugreifen, beispielsweise digitale Dienstleister, E-Commerce-Anbieter, stationäre Händler oder Produzenten. Durch den Objektfokus der Finanzierung rückt die Bonität eines Unternehmens in den Hintergrund, weshalb sich der Ansatz gerade auch für Startups eignet. Damit er allerdings greifen kann, müssen die in Betracht kommenden Sicherungsgüter bestimmte Vorgaben erfüllen. So sollten Rohstoffe oder Fertigwaren marktgängig bzw. handelbar sein – Einzelprodukte, kundenspezifische oder verderbliche Waren bzw. unfertige Fabrikate scheiden aus. Soll mobiles Anlagevermögen wie Maschinen oder Fahrzeuge als Sicherungsgut genutzt werden, müssen die Objekte werthaltig, zweitmarktfähig und standardisiert sein. Stimmen die Voraussetzungen, stehen die über Asset Based Credit vermittelten Gelder den Darlehensnehmern schon nach wenigen Wochen zur Verfügung.

Objektbasierte Finanzierungen für jede Unternehmensphase

Asset Based Credit ist aber nicht nur auf junge Unternehmen beschränkt. Die kurz- bis mittelfristigen Kredite können während des gesamten Lebenszyklus einer Firma eingesetzt werden: Von Wachstum und Auftragsvorfinanzierung oder Einkauf über die Kreditablöse oder Überbrückung saisonaler Schwankungen bis hin zur Anschaffung neuer Technologien, Umstrukturierungen, Sanierungen oder Nachfolgeregelungen. In dieser Vielseitigkeit ähnelt der Ansatz auch dem verwandten Modell Sale & Lease Back. Hierbei verkauft ein maschinenlastiges Unternehmen seine werthaltigen, mobilen und gängigen Assets und least sie im gleichen Moment direkt wieder zurück. Dadurch stehen finanzielle Mittel zur Verfügung und dennoch können die Produktionsmittel weiter wie gewohnt eingesetzt werden. Dieser Finanzierungsansatz kann ebenfalls bei unterschiedlichen Anlässen eingesetzt werden. Selbst in Sondersituationen wie Nachfolge, Restrukturierung, Sanierung oder Insolvenz steht er bereit.

Gastbeitrag von Carl-Jan von der Goltz

Geschäftsführender Gesellschafter der Maturus Finance GmbH

Telefon: +49 40 300 39 36-251

Mail:  goltz@maturus.com

Mehr Informationen: www.maturus-finance.com

 

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