Wir haben keine Krise!

Was „Schönfärberei“ anrichten kann

„Mein Geschäft läuft immer ohne Probleme.“ Würde vom Management eines Unternehmens diese Aussage kommen, wären Zweifel angebracht. Denn ständig wirken interne und externe Faktoren auf betriebliche Prozesse und Abläufe ein, die zu Schwankungen bei Umsatz und Ertrag führen können. Besonders Ursachen von außen, wie wirtschaftliche und politische Rahmenbedingungen, lassen sich wohl kaum verhindern, beeinflussen aber das Geschäft. Risiken und Wendepunkte sind daher zwangsläufig mit der unternehmerischen Tätigkeit verbunden. Die momentane Corona-Pandemie ist ein Beispiel dafür. Im folgenden Beitrag erfahren Sie, woran Sie eine Krise erkennen und wie Sie gegensteuern, bevor sie akut wird. Wie so oft, fangen Probleme ganz klein an. Wenn sie aber von vornherein unter den Teppich gekehrt werden, können sie ernsthaften Schaden anrichten und das Unternehmen in eine waschechte, wirtschaftliche Schieflage befördern.

Von heute auf morgen? Das ist selten der Fall!
Man stelle sich folgendes Szenario vor: Der Geschäftsführer eines Unternehmens ruft die Marketingagentur an und bittet um eine spontane Vertriebsunterstützung. Es gäbe eine Auftragsflaute im kommenden Monat. Hält dieser Zustand länger an, käme es darüber hinaus sogar zu Liquiditätsengpässen und Zahlungsschwierigkeiten. Ganz plötzlich nimmt der Chef gegenüber Kollegen und Mitarbeitern sogar das Wort Krise in den Mund und will vorher nichts von dieser gewusst oder gemerkt haben. Ein solcher Fall aus der Beratungspraxis ist keinesfalls eine Seltenheit. Was man hier aber entgegenhalten muss: Sie zeichnet sich schon lange im Vorfeld ab und entsteht in einem mehrstufigen Prozess.

Krise nicht erst bei mangelnder Liquidität
Im oben beschriebenen Fall spricht man offenbar erst von einer Krise, wenn die Auftragsbücher leer sind oder sich Zahlungsschwierigkeiten andeuten. Es geht aber streng genommen schon viel früher los – etwa, wenn sich der Wettbewerb verschärft, ein Unternehmen generell von wenigen Großkunden abhängig ist, mehr Reklamationen anfallen oder die Nachfrage nach bestimmten Produkten sinkt. Dann spricht man von der sogenannten strategischen Krise, die sich nicht direkt auf die Liquidität auswirkt. Genau darauf fallen viele Unternehmens rein, die nach dem Prinzip „It`s all about the money“ leben: Solange das Unternehmen aus monetärer Sicht noch keine großen Federn lassen muss, wird die Krise in diesem Stadium gar nicht erst bemerkt, geschweige denn ernst genommen. Ein großer Fehler, denn wenn keine Gegenmaßnahmen eingeleitet werden, gefährdet diese langfristig den Erfolg. Unternehmer tun beispielsweise gut daran, in dieser Phase neue Kundengruppen anzusprechen, weitere Vertriebskanäle zu testen, die Produktpalette anzupassen, das Qualitätsmanagement zu verbessern oder den Standort zu wechseln. Reagiert das Management nicht, folgt die Produkt- und Absatzkrise, die sich unter anderem durch einen Rückgang der Eigenkapitalquote, dem Anwachsen des Fremdkapitalanteils sowie kleinerer Umsatz- und Ertragseinbrüche infolge sinkender Aufträge kennzeichnet.

Unruhige Investoren, unzufriedene Großkunden und unsichere Mitarbeiter

Mitarbeiter im Unternehmen, die Auftragsflauten recht schnell bemerken, werden unsicher und suchen sich dann unter Umständen einen neuen Arbeitgeber. Zudem sollten sich die Geschäftsführer von Unternehmen, die von wenigen Großkunden und kapitalintensiven Investoren abhängig sind, nicht zu sicher sein. Denn schon bei kleinen Umsatzrückgängen kann es zu kritischen Nachfragen kommen. Wird spätestens nach diesen Anzeichen nicht reagiert, zum Beispiel durch eine offene Kommunikation und einen zusätzlichen Ausbau der Vertriebsaktivitäten, setzt schließlich die Liquiditätskrise ein – der Moment, in dem meist „nichts mehr geht“ und die Manager erst wirklich aufwachen.

 Vorsicht vor wildem Aktionismus

Die Bank droht dann beispielsweise mit einer Kündigung der Kreditlinien. Meist gibt es bereits Rückstände bei Umsatz- und Gewerbesteuer, Lohnzahlungen oder Sozialversicherungsbeiträgen. Pfändungen oder Vollstreckungen durch den Gerichtsvollzieher gehören zu den Anzeichen einer Krisenstufe, die bereits über die Liquiditätskrise hinausgehen. Dann spricht man im Ernstfall sogar von „Insolvenzreife“ beziehungsweise „Insolvenz“, bei der von einer drohenden bis vollkommenen Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung ausgegangen werden kann. Der Spielraum ist dann bereits sehr stark eingeschränkt. Verzweifelte Schnellschuss-Aktionen, bestehend aus kosmetischen Einzelmaßnahmen, helfen nicht mehr. Daher raten wir, bereits frühzeitig auf Krisenanzeichen zu reagieren und gegenzusteuern – bei Bedarf mit externer Unterstützung.

Wenn dies zu spät erfolgt, bleibt dann auch den Fachexperten kaum noch Handlungsspielraum.

Haftungssicher agieren und den Weg aus der Krise aktiv angehen

Eine kontinuierliche Überprüfung der wirtschaftlichen Lage und Zahlungsfähigkeit empfiehlt sich für jeden Geschäftsführer, der sein Haftungsrisiko begrenzen möchte. Wackelt das Geschäft, bieten sich viele Möglichkeiten, das Unternehmen wieder auf Erfolgskurs zu bringen – sofern man die Warnzeichen frühzeitig erkennt, sich eingesteht und rechtzeitig handelt.

Bei Fragen zu diesem Thema, sprechen Sie unsere Experten an.

simon-leopold

beitrag von Simon Leopold

Geschäftsführer ABG Consulting-Partner GmbH & Co. KG

Telefon: +49 351 437 55-48

leopold@abg-partner.de

www.abg-partner.de

Share with

Start typing and press Enter to search