Inflation erhöht Insolvenzrisiko – objektbasierte Finanzierungen bieten Lösung

Gastbeitrag von Carl-Jan von der Goltz, Maturus Finance

Inflation, Ukraine-Krieg und Materialengpässe setzen deutsche Unternehmen stark unter Druck. Experten erwarten deshalb einen Anstieg der Insolvenzen bereits ab dem zweiten Halbjahr 2022. In dieser angespannten Situation leidet besonders auch die Liquidität vieler KMU. Hier können objektbasierte Finanzierungen wie Sale & Lease Back oder Asset Based Finance bei der Überbrückung helfen.

Gefährliche Trendwende

Im Bereich der Firmeninsolvenzen ist es im letzten Jahrzehnt eher ruhig zugegangen: Sie waren rückläufig und sanken in den stark coronageprägten letzten Jahren sogar auf ein historisches Tief. Bei Letzterem handelte es sich aber nach Ansicht vieler Experten um eine Verzerrung der Realität durch Staatshilfen und die zeitweise Aussetzung der Insolvenzantragspflicht. Die Realitätsverzerrung dürfte sich dieses Jahr auflösen: Laut der Deloitte Distressed M&A-Studie 2022 erwarten die befragten Experten einen deutlichen Anstieg der Insolvenzen ab dem dritten Quartal dieses Jahres. Der Druck auf die Unternehmensbilanzen steige, die Liquidität vieler Firmen sei in Gefahr. Die Gründe liegen vor allem in den bereits von der Pandemie gestörten und durch den Krieg in der Ukraine weiter geschwächten Lieferketten und den enorm gestiegenen Kosten für Rohstoffe und besonders Energie. Die derzeitige Inflation ist nach Ansicht von 78 Prozent der Befragten mit Abstand das größte Risiko für Unternehmen. Zur Einordnung: Das ifo-Institut erwartet für dieses Jahr insgesamt eine Inflationsrate von 6,8 Prozent. Das ist der höchste Wert seit fast 50 Jahren. Seine Konjunkturerwartung hat das Münchner Institut mit der Sommerprognose entsprechend eingedampft. Sie liegt nun nur noch bei 2,5 Prozent BIP-Zuwachs – im März wurden noch 3,1 Prozent erwartet.

Doch der Preisschock ist nicht die einzige Herausforderung für die Unternehmen und ihre Liquiditätsbestände. Die Macher der Distressed-M&A-Studie führen weiterhin an, dass der Transformationsdruck in vielen Branchen und bei zahlreichen Geschäftsmodellen nach wie vor hoch ist. Das legt nahe, dass es vielen KMU nicht möglich ist, sich rein auf die Überwindung der wirtschaftlichen Herausforderungen zu konzentrieren. Sie müssen auch Mittel aufbringen, um sich weiterzuentwickeln und so ihre künftige Konkurrenzfähigkeit sicherzustellen. Besonders gefährdet durch Entwicklungen wie die massive Inflation sind der Deloitte-Studie zufolge vor allem Branchen wie Tourismus, Handel und Automotive. Auch die im Juli 2022 eingeleitete Zinswende der EZB dürfte die Lösungsoptionen der KMU weiter schmälern, denn sie steigert die Finanzierungskosten. Ohnehin sind gerade klassische Finanzierer durch verschärfte Regulatorik und die allgemeine Unsicherheit eher zurückhaltend mit der Vergabe von Krediten. In der Regel wird eine optimale Bonität vorausgesetzt, die viele KMU angesichts der aktuellen Gesamtsituation aber wohl nicht vorweisen dürften. Die Gemengelage aus massiver Inflation, Folgen der Pandemie, Unsicherheit durch den Krieg und fortschreitender Transformation verlangt zunehmend an Finanzierungsalternativen, gerade wenn es um die Überbrückung von Liquiditätsengpässen geht. Hier können objektbasierte Modelle wie Sale & Lease Back oder Asset Based Credit Lösungen für KMU bereithalten. Denn diese sind bonitätsunabhängig und weisen einen kurzen Finanzierungsprozess auf.

Sale & Lease Back

Hierbei handelt es sich um eine reine Innenfinanzierung, die sich besonders an mittelständische Produzenten und Verarbeiter richtet. Ein KMU verkauft im Kontext eines Sale & Lease Back (SLB) seinen werthaltigen, mobilen und fungiblen Maschinen-, Anlagen- oder Fuhrpark und mietet ihn im gleichen Moment wieder zurück. Dadurch wird, je nach verfügbaren Assets, Liquidität in beträchtlichem Umfang frei. Oftmals können auch stille Reserven gehoben werden, wenn die Vermögensgegenstände in der Unternehmensbilanz bereits größtenteils abgeschrieben sind. Somit stehen Mittel zur Überbrückung von Umsatzflauten, für den erschwerten Einkauf von Energie, Rohstoffen oder Vorprodukten sowie zur Bewältigung von Unternehmenskrisen bereit. Denn durch Bonitätsunabhängigkeit und Geschwindigkeit ist SLB auch für Restrukturierungen, Sanierungen oder Insolvenzen geeignet. Durch das direkte Zurückmieten und nahtlose Weiternutzen der jeweiligen Maschinenparks wird das operative Geschäft in keinem Fall beeinträchtigt.

Asset Based Credit

Diese objektbasierten Spezialkredite bieten Produzenten, Händlern, Dienstleistern und oft auch Startups die Möglichkeit, auf sämtliche im Betrieb verfügbaren Assets als Sicherheiten zurückzugreifen. Neben Anlagevermögen wie Maschinen sind hierbei auch Umlaufvermögen aus dem Waren- oder Rohstofflager sowie Sachwerte oder Immobilien besicherbar. Durch den Fokus auf die Vermögensobjekte ist auch dieses Modell weitgehend bonitätsunabhängig. Die kurz- bis mittelfristigen Kredite eignen sich ebenfalls als Überbrückungsfinanzierung oder im Einkauf. Auch neue Technologien und Transformationsprojekte sind damit finanzierbar. Selbst in der Restrukturierung oder Sanierung greift das Modell – etwa als Massekredit.

Wenden Sie sich bei näheren Fragen gern an unseren Gastautor Carl-Jan von der Goltz.

GASTBEITRAG VON CARL-JAN VON DER GOLTZ

Geschäftsführender Gesellschafter

Maturus Finance GmbH

Telefon: +49 40 300 39 36-251

Mail: goltz@maturus.com

Mehr Informationen: www.maturus.com

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