Das Interim Management – Externe Unterstützung bei Change-Prozessen – manchmal Rettung in der Not

Die Corona-Krise hat viele Unternehmen zu Veränderungen gezwungen, die wahrscheinlich bestehen bleiben. Homeoffice und Videokonferenzen etwa werden auch in Zukunft eine wichtige Rolle in der Arbeitswelt spielen. Aber nicht nur die Organisation der Zusammenarbeit, auch die Produktion, das Marketing und der Vertrieb müssen sich weiterentwickeln. Geschäftsprozesse kommen auf den Prüfstand, werden neu gedacht und organisiert, andere Geschäftsfelder werden erschlossen. In Krisen oder in der Transformation kommen zum Tagesgeschäft allerdings eine Menge zusätzlicher Aufgaben für die Führungsebene hinzu: Problem- und Prozessanalyse, Entwicklung einer zukunftsfähigen Strategie für den Betrieb, Sichern oder Wiederherstellen von Liquidität. In dieser Situation können unabhängige Spezialistinnen oder Spezialisten mit Führungs- und Krisenerfahrung – sogenannte Interim Manager – eine wichtige Stütze sein.

Was sind Interim ManagerInnen und was machen sie?

Interim Manager beziehungsweise Interim Managerinnen sind „Problemlöser auf Zeit“, erfahrene Führungspersonen also mit Know-how für Change-Prozesse oder Krisenbewältigung. Unternehmen holen sich die Expertise und den Weitblick dieser Externen bei bestimmten Herausforderungen kurzfristig und für einen definierten Zeitraum mit an Bord. Denn: Interim ManagerInnen haben schon mehrfach erfolgreich bewiesen, dass sie ein Unternehmen in einer schwierigen Situation leiten können. Sie arbeiten dabei freiberuflich und auf eigenes Risiko.

Die Führungskräfte auf Zeit stoßen zur ersten oder zweiten Managementebene eines Betriebes und arbeiten sich schnell ein. Sie entwickeln die Organisationsstrukturen weiter, motivieren die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und bringen sie dazu, Verantwortung für die gesteckten Ziele zu übernehmen. Schließlich müssen in herausfordernden Zeiten alle an einem Strang ziehen. Das Interim Management stellt auch den Wissenstransfer zur Belegschaft sicher, damit angegangene Maßnahmen tatsächlich nachhaltig sind. So wird die Performance gesteigert und der Posten im Betrieb kann meist schon nach wenigen Monaten wieder abgegeben werden.

Interim Management bietet Unternehmen einige Vorteile:

  • Flexibilität und Effizienz
  • Zusätzliche Ressourcen
  • Kurzfristige Verfügbarkeit
  • Langjährige Branchenkenntnisse
  • Erprobte Führungserfahrung
  • Externes Know-how / Know-how-Transfer
  • Unternehmenspolitische Unabhängigkeit
  • Ziel- und ergebnisorientierte Auftragsabwicklung
  • Definierte Kalkulationsrahmen

Wann brauchen Unternehmen solche „Problemlöser auf Zeit“?

Hauptgründe für den Einsatz eines Interim Managements sind beispielsweise der Aufbau eines neuen Geschäftsbereichs, ins Stocken geratene Abläufe im Betrieb, Ressourcenengpässe, der Mangel an qualifizierten Managementkapazitäten im eigenen Haus oder kurzfristige Vakanzen. Sehr häufig treten Interim ManagerInnen auch bei Unternehmenskrisen auf den Plan: Hier fehlen der eigentlichen Unternehmensführung meist die speziellen Kenntnisse im Umgang mit der Situation und den damit verbundenen Haftungsthemen. Oft werden Krisen und deren Ursachen auch schlicht nicht – oder erst zu spät – erkannt. Die externe Perspektive kann hier für mehr Durchblick sorgen.

Interim Management am Praxisbeispiel

Man stelle sich ein Unternehmen im Wachstum vor: Innerhalb weniger Jahren hat sich die Mitarbeiterzahl von acht auf über 50 erhöht. Es wird ein zweiter Standort mit einem neuen Kompetenzbereich eröffnet. Alles läuft gut, doch plötzlich stocken die Prozesse, Aufträge verzögern sich, wichtige Zahlungen bleiben aus, die Kreditlinie ist am Anschlag. Beleg- und Kundschaft sind unzufrieden, die Stimmung kippt. Doch niemand im Unternehmen weiß so recht, woher die Krise plötzlich kommt. Ein Interim Manager soll weiterhelfen.

Der Experte blickt aus einer neutralen Perspektive, mit einer „Draufsicht“ auf die Verhältnisse vor Ort. Er ist nicht emotional, aus Karrieregründen oder durch die tägliche Routine an die Abläufe im Unternehmen gebunden. Entsprechend nüchtern kann er herangehen und durch sein Expertenwissen in der Restrukturierung und Sanierung besser abschätzen, was gerade schiefläuft. Und der neutrale Blick auf das besagte Unternehmen offenbart: Es wurde vergessen, die interne Organisation an das schnelle Wachstum des Betriebs anzupassen. Es wurde keine zweite Führungsebene oder Personalabteilung aufgebaut. Jede Frage, jedes Problem, jedes Formular landet nach wie vor beim Geschäftsführer. Dieser ist entsprechend überfordert und kann sich nicht mehr richtig um Strategie, Controlling und Finanzen kümmern.

 Wie tritt das Interim Management im Krisenfall in Aktion?

Die Tätigkeit eines Interim Managers oder einer Interim Managerin geht in der Regel über die reine Situationsanalyse und Beratung der Geschäftsführung hinaus. Meist übernimmt er oder sie unternehmerische Verantwortung, trifft Entscheidungen und setzt diese durch. Nur so können in der Regel Strukturen und Prozesse im Unternehmen gezielt verbessert werden. Im Fall einer Insolvenz werden erfahrene Interim Managerinnen oder Manager von Gerichten und Gläubigern deshalb häufig als Voraussetzung angesehen, damit die Betriebsleitung das Verfahren in Eigenverwaltung durchführen kann. Das Interim Management entwickelt Lösungsstrategien, stellt die Zahlungsfähigkeit des Unternehmens wieder her, sucht Finanzierungsansätze, führt Gespräche mit Belegschaft, Gläubigern, Kunden und Lieferanten und geht auf Investorensuche. Dabei halten Interim ManagerInnen Fristen ein und beachten die Vorgaben des Insolvenzrechts – der Geschäftsführung bleibt der Rücken für das Tagesgeschäft frei.

Konsequente Entscheidungen und Fingerspitzengefühl

Vor allem in der Insolvenz zeigt sich das erfahrene Krisenmanagement: Hier fehlt es nicht nur an Geld, auch Zeit ist knapp – besonders in der Anfangsphase. Es gibt viele Aufgaben gleichzeitig zu erledigen. Die „Problemlöser auf Zeit“ müssen daher schnell, strategisch und entschlossen handeln – manchmal auch unbeliebte Empfehlungen aussprechen oder riskante Entscheidungen treffen. Denn gerade in Krisensituationen lassen sich Risiken nie ganz ausschließen. Hinzu kommt das oft angespannte Klima im Unternehmen: Menschen sehen ihre Arbeitsplätze bedroht, Unternehmerinnen und Unternehmer bangen um ihr Lebenswerk. Hier sollten unabhängige ExpertInnen Nutzen und Notwendigkeit ihrer Vorschläge und Handlungen stets sachlich aber bestimmt erklären. Deshalb ist im versierten Interim Management auch Fingerspitzengefühl im Umgang mit Menschen unverzichtbar.

Sie stecken mitten in der Transformation oder einer angespannten wirtschaftlichen Lage? Möglicherweise ist das Interim Management ein Lösungsansatz. Unsere Experten beraten und unterstützen Sie gern!

simon-leopold

beitrag von Simon Leopold

Geschäftsführer ABG Consulting-Partner GmbH & Co. KG

Telefon: +49 351 437 55-48

leopold@abg-partner.de

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